LOSlassen zum LOSgehen

LOSlassen – ein Wort, das so leicht klingt und sich doch oft unglaublich schwer anfühlt. Wir halten fest an Menschen, an Erinnerungen, an Träumen, an Vorstellungen davon, wie unser Leben sein sollte. Und manchmal merken wir gar nicht, wie sehr uns dieses FESTthalten Kraft kostet.

Es gibt dieses LOSlassen, das wir bewusst wählen.
Und dann gibt es das andere.

Das, das uns trifft.
Das, das wir uns nie ausgesucht hätten.

Wenn Beziehungen zerbrechen.
Wenn ein geliebter Mensch stirbt.
Wenn das Leben entscheidet – ohne uns zu fragen.

Dieses Loslassen fühlt sich nicht wie eine Entscheidung an. Es fühlt sich an wie Verlust.

Warum LOSlassen so schwer ist

LOSlassen bedeutet nicht nur Abschied. Es bedeutet auch Unsicherheit. Wenn wir etwas oder jemanden loslassen, betreten wir unbekanntes Terrain. Unser Verstand liebt Kontrolle, Vorhersehbarkeit und Sicherheit. Alles, was wir kennen – selbst wenn es uns nicht guttut – fühlt sich vertraut an.

Wir bleiben in Beziehungen, die uns nicht erfüllen.
Wir halten an Jobs fest, die uns auslaugen.
Wir tragen alte Verletzungen mit uns herum wie einen schweren Rucksack.

Nicht, weil es gut ist. Sondern weil es bekannt ist.

Wenn der Tod uns zwingt

Beim Tod gibt es keine Verhandlung. Kein „Vielleicht“. Kein später.

Der Verlust eines Menschen reißt eine Lücke, die nicht gefüllt werden kann. Und genau das ist so schwer: Wir müssen LOSlassen, obwohl wir es niemals wollten.

Doch Loslassen beim Tod bedeutet nicht Vergessen.

Es bedeutet:

  • Die gemeinsame Zeit anzunehmen, statt sie festhalten zu wollen
  • Erinnerungen einen liebevollen Platz zu geben
  • Zu lernen, mit der Lücke zu leben, statt gegen sie zu kämpfen

Die Beziehung endet nicht – sie verändert sich. Aus Begegnung wird Erinnerung. Aus Nähe wird Dankbarkeit. Aus Schmerz wird mit der Zeit eine stille, weiche Form von Liebe.

Der Widerstand gegen das Unvermeidliche

Wenn wir loslassen müssen, kämpfen wir oft innerlich. Wir fragen:

  • Warum?
  • Warum jetzt?
  • Warum ich?

Doch Widerstand ändert die Realität nicht. Er verlängert nur das Leiden.

Irgendwann – ganz leise – kommt der Moment, in dem wir erkennen: Ich kann es nicht ändern.
Aber ich kann entscheiden, wie ich damit weiterlebe.

Und genau dort beginnt das eigentliche LOSlassen.

Was LOSlassen wirklich bedeutet

Viele Menschen verwechseln LOSlassen mit Aufgeben. Doch das ist es nicht.

LOSlassen bedeutet:

  • Frieden mit dem Vergangenen zu schließen
  • Nicht mehr gegen das Unveränderliche anzukämpfen
  • Energie zurückzugewinnen, die im Widerstand gebunden war

Es ist ein innerer Prozess. Oft beginnt er mit einem ehrlichen Eingeständnis: „So wie es ist, tut es mir nicht gut.“

Loslassen heißt nicht, dass dir etwas egal ist. Es heißt, dass du dich selbst wichtig genug nimmst, um weiterzugehen.

Die Kunst, Schritt für Schritt loszulassen

LOSlassen geschieht selten von heute auf morgen. Es ist eher wie das Öffnen einer Hand, die lange verkrampft war. Zuerst schmerzt es, dann wird es leichter.

Ein paar Impulse können helfen:

1. Akzeptanz üben Frage dich: Was liegt außerhalb meiner Kontrolle?

2. Gefühle zulassen Trauer, Wut, Enttäuschung – all das darf da sein. Gefühle wollen gefühlt werden, nicht weggeschoben.

3. Den Blick nach vorne richten Was entsteht, wenn du LOSlässt? Welche Möglichkeiten öffnen sich? Oft sehen wir erst im Rückblick, dass ein Ende zugleich ein Anfang war.

4. Vergebung – für andere und für dich selbst Groll bindet uns an die Vergangenheit. Vergebung ist kein Freispruch für andere, sondern ein Geschenk an dich selbst.

Der Raum, der entsteht

Wenn wir LOSlassen, entsteht Raum. Raum für Neues, für Wachstum, für echte Begegnungen. Manchmal merken wir erst dann, wie sehr wir uns selbst im Weg standen.

LOSlassen ist kein einmaliger Akt. Es ist eine Haltung dem Leben gegenüber. Ein Vertrauen darauf, dass nicht alles festgehalten werden muss, um wertvoll zu sein.

Vielleicht ist heute nicht der Tag, an dem du alles LOSlässt.
Aber vielleicht ist heute der Tag, an dem du beginnst, deine Hand ein kleines Stück zu öffnen.